Sich behandeln lassen
- Die Therapie viraler Hepatitiden bei Drogenabhängigen hat ähnlich gute Erfolgschancen wie bei PatientInnen ohne Suchterkrankung. Die Behandlung sollte jedoch von ÄrztInnen bzw. in medizinischen Institutionen durchgeführt werden, die über Erfahrung und das nötige Wissen zu Suchterkrankungen wie auch zur speziellen Problematik viraler Hepatitiden-Infektionen verfügen.
- Eine konsequente persönliche Information und Abklärung von Hepatitis-C-positiven Drogenkonsumierenden bezüglich einer Therapie ist unabdingbar.
- Zentrales Behandlungsziel ist die Elimination der Hepatitis-C-Viren, wodurch die möglichen Folgen der Infektion, insbesondere die chronisch fortschreitende Leberschädigung, verhindert bzw. gestoppt werden.
- In Westeuropa treten vier Hepatitis-C-Virus-Untergruppen auf (Genotyp 1 bis 4). Die Erfolgsrate einer Therapie liegt bei den Genotypen 2 und 3 zwischen 70% und 90%. Beim Genotyp 1 kann in ca. 50% der Fälle mit einer Ausheilung gerechnet werden, beim seltenen Genotyp 4 sind es etwas mehr.
Indikation
Nach heutigem Wissensstand sind beim Entscheid zur Durchführung einer Hepatitis-C-Therapie folgende Kriterien zu berücksichtigen:
- 1. Der Virus (HCV-RNA) ist im Blut nachweisbar und die Indikation ist histologisch gegeben, d.h. es sind unabhängig vom Entzündungsgrad mindestens portale Fibrosen und Septen nachweisbar.
- 2. Es bestehen keine Kontraindikationen wie z. B. unkontrollierte Depression oder Psychose, fortgeschrittenes Herz-/Lungen- oder neurologisches Leiden, unkontrollierter Alkohol- oder intravenöser Drogenkonsum.
- 3. Der/die PatientIn ist über die Erfolgschancen einer Therapie, die potenziellen Nebenwirkungen und die Risiken einer Krankheitsprogression bei Therapieverzicht informiert.
- 4. Adhärenzfähigkeit der Patientin oder des Patienten zur Therapie und zu Kontrollen, resp. die Schaffung einer positiven Basis in der Zusammenarbeit zwischen Arzt/Ärztin und PatientIn.
Weiter zu beachten sind:
- Bei Opiatabhängigen sollte eine Hepatitis-C-Therapie möglichst an eine Substitutionstherapie mit entsprechender Betreuung gekoppelt erfolgen. Oftmals ist eine temporäre Erhöhung der Methadon- oder Heroindosis während der Therapie sinnvoll.
- Eine Hepatitis-C-Therapie während einer Drogenentzugsbehandlung oder weniger als ein halbes Jahr danach ist aufgrund erhöhter Rückfallgefährdung kontraindiziert.
- Bei GefängnisinsassInnen und PatientInnen in stationären Langzeitinstitutionen ist eine Hepatitis-C-Therapie durchführbar. Die Therapie- und Kontrolladhärenz ist dort besonders gut gewährleistet.
Bei sporadischem Nebenkonsum unter hygienisch einwandfreien Bedingungen und in Mengen, die keine kognitive Beeinträchtigung bedingen, kann eine Therapie durchgeführt werden.
Bei anhaltendem, unkontrolliertem, intravenösem, inhalativem oder pernasalem Drogenkonsum ist von einer Therapie abzusehen.
Bei anhaltendem, unkontrolliertem, intravenösem, inhalativem oder pernasalem Drogenkonsum ist von einer Therapie abzusehen.
